Augustiner Chorfrau werden

Wir vertrauen darauf, dass jede von uns durch ihre persönliche Lebensgeschichte mit Gott von ihm in diese Gemeinschaft berufen wurde. Gott, der „das Wollen und das Vollbringen in uns bewirkt“ (Phil 2,13), kennt so viele Wege zu den Menschen, wie es Menschen gibt, deswegen führt er sie auf je einmalige Weise. Vor der Entscheidung. Jesus Christus in dieser Lebensform nachzufolgen, hat er selbst die Initiative ergriffen.

„Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch“, sagt der heilige Augustinus, deswegen geht Gott den ersten Schritt zu einer Begegnung. Jede, die diesen An-Spruch Gottes nicht mehr überhören kann, sucht nach einer ihr gemäßen Antwort. Wer wahrhaft Gott sucht, kann seinen Weg auf Dauer nicht allein gehen, denn Gott will uns im anderen Menschen begegnen.

Nach einer zweijährigen Probezeit in Postulat und Noviziat, in der sich die einzelne prüft, ob der begonnene Weg der für sie richtige ist, legt eine Schwester die zeitlichen Gelübde für drei Jahre ab. Erst durch die ewige Profess „weiht sie ihr ganzes Leben Gott und bindet sich für immer an diese Gemeinschaft“ (Konst. 3,173).

Indem eine Schwester in freier Entscheidung verspricht, nach den Evangelischen Räten der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams zu leben, antwortet sie durch ihre Hingabe auf den Anruf Gottes. „In einem vierten Gelübde verpflichten wir uns zur Erfüllung des Erziehungsauftrages“ (Konst. 1,33) unseres Ordens. Weiter: „ Auch für die Zeit nach der Ablegung der Gelübde auf Lebenszeit tragen alle Sorge für die religiöse und menschliche Reifung. Die Schwester muss kontaktfähig bleiben …, um situationsgerecht raten und helfen sowie aktiv am Leben der Kirche und der Gesellschaft teilnehmen zu können.“ (3,187;188)

Zunächst ist das gemeinsame Leben ein Geschenk, das die einzelne dankbar annehmen darf. Sie wird in die Gemeinschaft integriert. Gleichzeitig  ist uns die Gemeinschaft aufgegeben, denn sie fordert zu einem aufmerksamen Leben durch das gemeinsame Unterwegssein auf, um den Herrn in ihrer Mitte und in jedem Menschen neu zu entdecken. Jede Schwester trägt außerdem in ihrem Sosein und mit ihren individuellen Begabungen zum Aufbau dieses lebendigen Organismus’ bei.

 


  © Copyright 2015-2016, Josef Ernstberger, 33106 Paderborn