Aus der Klosterchronik

(Juli 2002 – Juli 2003)

„ Paderborn steht vor dem traurigsten Liborifest seiner 1200-jährigen Geschichte“ schrieb das „Westfälische Volksblatt“ am 26. Juli 2002. Als wir am Morgen des 25. 7. um 7.15 Uhr die Totenglocke vom Dom hörten, dachten viele von uns an den Hl. Vater, der ja in Toronto beim Weltjugendtreffen war. Wahrscheinlich hatte er seiner geschwächten Gesundheit zu viel zugemutet. Nach der hl. Messe erfuhren wir dann sehr bald, dass das Trauerläuten unserem Erzbischof Kardinal Johannes Joachim Degenhardt gegolten hatte, der in der Nacht verstorben war. Bestürzung und Trauer erfassten nicht nur die Stadt Paderborn, sondern das ganze Erzbistum und viele, viele Menschen in der weiten Welt. Wie Tausende nahmen auch wir Abschied von ihm, der in der Bartholomäuskapelle aufgebahrt war. Die Beisetzungsfeierlichkeiten erlebten wir am 3. August am Fernsehen mit.

„Libori“ fand statt, wenn auch verhaltener als sonst. Der Kardinal würde sagen: „Feiert Libori wie immer!“; meinten die maßgeblichen Behörden von Kirche und Stadt Paderborn. Die Darbietungen des „Europatages“ am 2. Samstag der Liboriwoche fielen aus. Aber das Konzert, das Mitglieder der rumänischen Staatsoper am Dienstag, 30. 7. in unserer Kirche gaben, fand statt, trug aber ernsteren Charakter. Unter anderem waren in der überfüllten Michaelskirche  das „Ave Maria“ (Bach –Gounod) sowie die Arie des Gabriel aus Haydns „Die Schöpfung“ zu hören. Die Vielfalt der Klänge und Stimmen ließ völkerverbindenden Glauben erspüren und die Freude über Gott, den Schöpfer, der den Menschen solche Talente verliehen hat zu seinem Lobpreis. Mit lang anhaltendem Beifall für die Künstler und dem Dank an die aufmerksamen, ergriffenen Zuhörer sowie insbesondere an Herrn Broer (Bad Lippspringe), der dieses Konzert bei uns vermittelt hatte, endete der eindrucksvolle Abend (Anmerkung: Die Mitglieder der Bukarester Oper waren im Rahmen des Klassiksommers 2002 vom 27. 7. bis 25. 8. in Bad Lippspringe zu Gast und gaben dort und in Paderborn klassische Konzerte „in der kühlen Kirche“ – u. a. auch in verschiedenen Krankenhäusern.)

Mit reichlichem Beifall wurde auch das Klavierkonzert bedacht, das Daniel Ater anlässlich des 50. Geburtstages seiner Mutter, Hildrun Ater, geb. Schulze, in unserer Aula vor geladenen Gästen gab. Er spielte die Sonate Nr. 17 d - Moll  (opus 31) „Der Sturm“ von Beethoven und die Sonate a – Moll (opus 42) von Schubert – und alles auswendig!

Auch die kirchenmusikalische Andacht zum Ausklang der Weihnachtszeit (am 12. 1. 2003), die inzwischen Tradition geworden ist, war wieder ein Hochgenuss, wovon die bis auf den letzten Platz besetzte Kirche – einschließlich „Chörchen“ (hinten in der Kirche) und Chor (oben ) Zeugnis gaben. Den Chormitgliedern, den Instrumentalisten und den Dirigenten wurde am Schluss mit viel Beifall herzlich gedankt. Anschließend durften sich alle Mitwirkenden und Gäste in der Schuleingangshalle an Glühwein und Gebäck (aus Schwester Annas Bäckerei) laben und erfreuen.

Die durch Lehrkräfte und Altschülerinnen erweiterte Schwesternschola trug an Hochfesten und bei sonstigen besonderen Gelegenheiten zur Erbauung und Bereicherung der Feiern bei – so z.B. in der Vesper um gute Priester und Ordensleute am 6. 3. und zum Goldenen Professjubiläum von Schwester M. Remigia und Schwester M. Agnes. Am 26. April 1953 hatten sie die Gelübde für drei Jahre   abgelegt. Nach 50 Jahren konnten sie „voll Dank an Gott und in der Freude ihres Herzens“ ihre Gelübde vor einer großen Gemeinde (Mitschwestern, Verwandte, Freunde, Bekannte) erneuern. Das Festhochamt zelebrierte Herr Professor Dr. Josef Ernst, der – wie in den „Paderquellen 2002“ berichtet – am 1. 4. 2002 sein goldenes Priesterjubiläum gefeiert hatte. Durch die zahlreichen Verwandten (der jüngste war gerade 6 Wochen alt!) wurde das Jubiläum der beiden Schwestern zu einem schönen Familienfest.

Auch Schwester Klara hatte ein Jubiläum: Sie wurde am 11. Februar 80 Jahre alt. Ihren Geburtstag feierte sie im Kreise des Konventes und an den folgenden Tagen noch mit vielen Gratulanten. Sie hatte sich durch eifriges Trainieren darauf vorbereitet, um die Anstrengungen einigermaßen durchstehen zu können. Denn Anfang Oktober hatte sie sich durch einen Sturz einen Bruch im Beckenbereich zugezogen, von dem sie sich nur ganz mühsam erholen konnte. Seit dem 28. März, „unserem“ 345. Geburtstag, ist sie ganz bettlägerig. Sie verbrachte viele Wochen im Krankenhaus und bekam zweimal einen Herzschrittmacher eingesetzt. Inzwischen ist sie wieder zu Hause und hat eine Zelle auf der Krankenstation bezogen.

Schwester Maura (91) liegt jetzt schon über ein Jahr. Nach dem Umzug in die renovierte Krankenetage hat sie nun den Blick auf die Bäume im Garten. Auch Schwester Regina (ebenfalls 91; aber noch „geläufig“ mit ihrem „Rollator“) bezog ein erneuertes Krankenzimmer. Wochenlang hatten Maurer, Installateure, Elektriker und Maler im Krankenrevier gearbeitet. Ursprünglich sollte nur das Badezimmer dort saniert werden. Beim Freilegen der Wände stieß man auf Fachwerk mit Stroh und Lehm. Deshalb mussten die Mauern eingerissen werden, zumal wegen der dort liegenden elektrischen Leitungen Brandgefahr bestand. So wurden alle Räume neben dem Badezimmer gleich mit erneuert und modernisiert.

Schwester Felizitas, unsere Seniorin (94), und Schwester Monika (88) blieben lieber in ihren vertrauten „vier Wänden“.

Schwester Theresia war in diesem Jahr schon recht reiselustig. Im Januar flog sie mit Mutter Heriburg (Essen) und unseren Lehrerinnen Frau Monika Ewers (Altschülerin) und Frau Tober (evangel. Religionslehrerin) nach Bratislava zur Einweihung des Gymnasiums unserer Mitschwestern. Nach deren Meinung ist es die modernste Schule der Slowakei geworden. Damit können wir nicht konkurrieren! Da Flugreisen heute manchmal billiger sind als Bahnfahrten, flogen sie von Dortmund nach Wien und erlebten auf der Rückreise allerlei Abenteuer, von denen ich hier aber nicht im Einzelnen berichten kann. Jedenfalls kamen sie statt gegen 20 Uhr erst gegen 2 Uhr wohlbehalten, aber müde, in Paderborn an. Im Juni flog Schwester Theresia schon wieder aus – und zwar mit Frau und Herrn Pedron (als Dolmetscher) nach Mailand und Pavia „auf den Spuren des hl. Augustinus“. Dorthin soll im nächsten Jahr, dem 1650. Geburtsjahr unseres Ordensvaters, eine Wallfahrt stattfinden. Eingeladen sind interessierte Schülerinnen, Altschülerinnen, Eltern, Lehrkräfte und Freunde des Hauses.

Auch Schwester Veronika besuchte als Föderationspräsidentin unsere Mitschwestern in Bratislava (Ende Februar). Es ging auch darum, dass diese die Konstitutionen der deutsch-österreichisch-ungarischen Föderation übernehmen.

Am Föderationskapitel im April nahmen auch einige der slowakischen Schwestern teil. Thema der Beratungen und des Austausches war: Wege in die Zukunft.

Am 1. Januar 2003 endeten unsere Exerzitien, die uns Herr Vikar Haase (Liboriusgemeinde Paderborn) vom 26. 12. an gehalten hatte. Im Vortrag am Vormittag stellte er uns die Heiligen der Weihnachtszeit vor Augen und in der Bildmeditation am Nachmittag „Gestalten an der Krippe“. Nach jedem Vortrag gab es Besinnungsfragen und -aufgaben, mit denen wir uns tagsüber beschäftigten. In der Eucharistiefeier am Neujahrsmorgen erneuerten wir unsere Gelübde. Als  Lesung hatte Herr Vikar Haase einen Abschnitt aus dem Buch Josua gewählt, in dem es heißt: „Sei mutig und stark! Hab keine Angst! Ich bin mit dir!“. Diese Zusicherung Jahwes an Josua gibt auch uns Mut und Vertrauen für das Jahr 2003 und darüber hinaus – egal, was die einzelne Schwester, unseren Konventes, die Schule auch treffen mag! Es ist der Herr, der alles in Händen hat und zu unserem Besten lenkt!

Das mussten wir gleich bedenken, als am 19. Januar unser Lehrer, Studiendirektor Herr Achim Friede, nach langer, schwerer Krankheit heimging. Obwohl er schon seit einem Jahr nicht mehr unterrichtete, kam er jede Woche mindestens einmal in die Schule, um an Besprechungen des Schulleitungsteams teilzunehmen. Seit Dezember war ihm das nur noch im Rollstuhl möglich. Sein Tod machte die ganze Schulgemeinschaft betroffen und traurig. Am 20.1. wurde während der großen Pause im Lehrerzimmer seiner gedacht mit einer Ansprache von Herrn OStD Mecke und einer Gedenkminute. Viele Kollegen hatten Tränen in den Augen. Auch jetzt am Ende des Schuljahres ist Herr Friede nicht vergessen. Immer stehen Blumen auf seinem Platz im Lehrerzimmer.

Am 2. April starb unsere ehemalige Lehrerin, Frau Studiendirektorin Dr. Maria Brückner, ebenfalls nach langer, schwerer Krankheit. Die letzten Wochen hatte sie im Hospiz „Mutter der Barmherzigkeit“ gelebt. Ihre leibliche Schwester, Schwester M. Beatrix, Mary-Ward-Schwester aus Mainz, war monatelang bei ihr, um Frau Dr. Brückner zu pflegen, wenn sie zu Hause war, und sie täglich zu besuchen, wenn sie im Krankenhaus wieder viele Strapazen über sich ergehen lassen musste.. Das Seelenamt für unsere ehemalige Kollegin zelebrierte Herr Rektor Reinhardt am 7. 4. in unserer Kirche in Anwesenheit von Schwester Beatrix und einiger Verwandten sowie vieler ehemaliger LehrerInnen. Beeindruckend war ein Text, den eine Schwester aus dem Hospiz vortrug: „Wenn es dich nicht gegeben hätte ...“ – Am 12. Juni fand nochmals eine Eucharistiefeier für Frau Dr. Brückner im Rahmen unserer Konventsmesse statt. Und wieder waren so viele „Ehemalige“ und Bekannte erschienen, dass unser Chörchen, in dem die Konventsmessen sind, fast zu klein und eng wurde.

Für die am 4. Februar in Papenburg/Ems tödlich verunglückte Frau Berna Klasen (Frau Klasen war die Cousine unserer Schwestern M. Ludowika und M Bernarda) wurde der Gedenkgottesdienst, zu dem das Meinwerk-Institut eingeladen hatte, auch bei uns gefeiert. Nach ihrer Pensionierung als Geschäftsführerin von „IN VIA – Mädchensozialarbeit“ in Paderborn, hatte sie einige Jahre bei uns gewohnt, bis sie 1999 in ihre Heimat Papenburg übersiedelte.

Am 14. März hatte die „Equipe de Notre Dame“ ein Treffen in unserem Haus. Am selben Abend trafen sich nach dem Gottesdienst im Dom die Teilnehmer der „Nacht der Lichter“ in unserer Glashalle zum Gedankenaustausch mit Frère Andreas aus Taizè und zu einem Imbiss. Beide Gruppen blieben fast bis Mitternacht!

Verschiedene Veranstaltungen der Abdinghofgemeinde, die in diesem Jahr der Säkularisation vor 200 Jahren gedenkt, fanden in unserer Aula statt. Am 1. 4. hielt Herr Krüggeler einen öffentlichen Vortrag über die Geschichte des Abdinghofklosters bis zum Jahre 1803. Der Redner zeigte sich als kompetenter Fachmann und erzählte von vielen interessanten Begebenheiten aus unserer Nachbarschaft, dem Abdinghofkloster. Im Juni führten Kinder der Abdinghofgemeinde in der Aula „König Drosselbart“ auf.

Auch das ehemalige Augustiner-Chorherren-Kloster Dalheim lässt in diesem Jahr die Erinnerung des Klosters aufleben mit szenischen Darstellungen der Inbesitznahme durch Preußen und durch eine große Ausstellung. Mit einem „Klostermarkt“ hatte Dalheim am 7. und 8. September 2002 sein 550-jähriges Bestehen gefeiert. Ordensleute aus ganz Deutschland boten auf dem „Markt“ ihre Erzeugnisse an, u.a.: Likörchen, Tee, Brot,... . Wir waren mit einem Stand vertreten, in dem wir unsere Produkte verkauften und das ein oder andere Wiedersehen mit bekannten Gesichtern erleben durften. Außerdem lud ein Chor zum Mitsingen ein und Schwester Theresia zum meditativen Tanz. Schätzungsweise nutzten 15000 Besucher das schöne Herbstwetter zu einem Ausflug nach Dalheim. Mit einer hl. Messe vor einer überwältigenden Kulisse im Freigelände des ehemaligen Klosters hatte am Samstagabend das Jubiläum begonnen... .

Der Kreis des Jahres schließt sich. Hatten wir im Juli 2002 Abschied nehmen müssen von unserem Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, erklang am 3. Juli 2003, dem Fest des Apostels Thomas, kurz nach 12 Uhr das „erlösende“ festliche Läuten aller Domglocken. Wir haben einen neuen Erzbischof! Der Diözesanadministrator und Weihbischof Hans-Josef Becker ist zum Nachfolger gewählt und ernannt worden. Die Amtseinführung ist auf den 28. September festgelegt.

Abschied nehmen heißt es auch in diesem Jahr im Juli wieder. Am 28. dieses Monats wird Herr Oberstudiendirektor Hartmut Mecke verabschiedet und tritt den wohl verdienten Ruhestand an. Seit 1991 – als Schwester Johanna schon schwer krank war – leitete er das Gymnasium. Seine vielfältigen Verdienste um die Schule werden an anderer Stelle gewürdigt werden. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Zingler (aus unserem Gymnasium) gewählt. Wir freuen uns auf eine ebenso gute Zusammenarbeit mit ihm, wie wir sie von Herrn Mecke gewohnt sind. Beiden Herren wünschen wir Gottes Segen für ihre Aufgaben!

Sr. M. Remigia Schulze-Eckel