Aus der Klosterchronik

(August 2005 – Juli 2006)

August 2005

Das Hauptereignis für die Kirche in Deutschland war der Weltjugendtag, zu dem sich Jugendliche aus aller Welt vom 18.- 21.08. in Köln trafen. Auch wir waren indirekt daran beteiligt, denn die Diözesen hatten zu einem mehrtägigen "Vorprogramm" eingeladen. Als Kloster mit Sport- und Rasenflächen in der Innenstadt von Paderborn boten wir das ideale Gelände für die Meile " games and more". Darüber hinaus fanden in unserer Schule viele verschiedene Veranstaltungen statt über Gesprächskreise, Angebote neuerer geistlicher Gemeinschaften, Musik- und Theateraufführungen in der Aula und sogar einen Snoozle-Raum gab es. Unsere Kirche lud zur Anbetung ein, wovon sich gleichfalls viele Jugendliche und Erwachsene ansprechen ließen. Beeindruckend für uns war die andächtige Frömmigkeit der ausländischen Jugendlichen und die Freundlichkeit, mit der sie uns begegneten.
Ein weiterer besonderer Gast war bei uns der Journalist und Schriftsteller Andreas Englisch. Auf Anregung von Sr. Ancilla und in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Linnemann hielt er bei uns zwei Vorträge in Anlehnung an sein Buch über P. Johannes Paul II. Es war für die zahlreichen Zuhörer faszinierend, was der Referent gleichsam als "Insider" im Vatikan von seinen Begegnungen mit dem Papst zu erzählen wusste. Er berichtete auch über seine ersten Kontakte mit Papst Benedikt.
Traditionell halten wir in unserer Kirche am Hochfest des heiligen Augustinus "ewige Anbetung". Da gleichzeitig am letzten Sonntag im August der Klostermarkt Dalheim stattfindet, wo wir alljährlich ebenfalls vertreten sind, wollten einzelne von uns in verschiedenen "Schichten" der Anbetung wie auch der Präsenz in Dalheim nachkommnen. Wir wurden beim Klostermarkt von eifrigen Helfern und Helferinnen unterstützt, von Mitgliedern unseres Freundeskreises sowie Kolleginnen, (ehemaligen) Schülerinnen und Bekannten.

September 2005

Als neuer, für die Ordensgemeinschaften zuständiger Bischof, war Weihbischof Matthias König am 8. September bei uns zu Gast. Nachmittags lernte er bei Kaffee und Kuchen in lockerer Gesprächsatmosphäre den Konvent kennen, anschließend traf er sich mit den Schwestern im Rat, um über anstehende Probleme zu sprechen. Zum Abschluss seines Besuches feierte er mit uns um 18.00h die Abendmesse mit integrierter Vesper.
Am Fest Mariä Namen, unser aller Namenstag, wurden acht Schwestern, die seit einiger Zeit eine veränderte Ordenstracht oder Zivilkleidung tragen, als einheitliche Chorkleidung weiße Kukullen überreicht, die vor der abendlichen Eucharistiefeier von Herrn Pastor Liudger Gottschlich geweiht wurden. Nun sind wir bei jedem Stundengebet und bei der täglichen Messfeier immer in Schwarz (traditioneller Ordenstracht ) und in Weiß (Kukullen) vereint. Einheit in der Vielfalt!
So regnerisch der August gewesen war, so sonnig und warm zeigte sich der Herbst im September. Das freute alle Schülerinnen und Lehrpersonen auf der großen Schulfahrt nach Köln bzw. Bonn aus Anlass des Michaelsfestes.
Eine längere Reise unternahmen Sr. Veronika, Sr. Ulrike und Pastor Hoppe. Sie machten mit 31 Schülerinnen der Religionskurse (Jg. 12) eine Studienfahrt nach Rom (Flug von Münster Osnabrück).

Oktober 2005

Ebenfalls nach Rom flog Sr. Theresia. Sie war von ihrem Bruder eingeladen zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zur Seligpreisung des "Löwen von Münster", des Kardinals Clemens August Graf von Galen. Begeistert erzählte sie uns von dem großen Fest des Glaubens, das sie erleben konnte.
Noch weiter führte die Reise von Sr. Laetitia; sie "krönte" ihr Magister-Examen mit einer Studienreise nach Jordanien. Sr. Laetitia Eberle (aus Bayern), die schon mehrmals ihre Ferien bei uns verbracht hatte, kam mit "Sack und Pack" zu uns. Sie trat von den Zisterzienserinnen (Abtei Oberschönenfeld bei Augsburg) in unseren Orden der Augustiner Chorfrauen über.

November 2005

Am Fest Allerheiligen feierte Sr. Raphaele ihr Goldenes Professjubiläum. In der Eucharistiefeier wurde auch der beiden Mitschwestern gedacht, die am 01.11.1955 mit Schwester Raphaele die Ordensgelübde abgelegt hatten: der verstorbenen Sr. M. Ursula Laukötter († 28.08.2000) und Sr. M. Gertrud Hallerberg, die seit vielen Jahren im Essener Konvent (B.M.V.) lebt.
Nach ihrer Rückkehr aus Jordanien wurde Sr. Laetitia in einer einfachen Zeremonie in unsere Gemeinschaft offiziell aufgenommen. Sr. Ancilla übergab ihr ein Kreuz und unsere Konstitutionen. Vor dem Festfrühstück fand die Gratulation mit Friedensgruß statt.

Dezember 2005

An allen vier Samstagen im Advent hatten die Eltern der Realschule im Innenhof (zwischen Kirche und Klosterpforte) einen Adventsbasar organisiert. Neben Bastelsachen gab es Glühwein, Kaffee und Kuchen, frische Waffeln und "deftige" Butterbrote an den Ständen. Wer wollte, konnte auch mal für einige besinnliche Minuten in der Kirche verweilen. Jeweils um 11.00h und 16.00h wurde eine Bildmeditation angeboten mit Musik und Texten, die allerdings nicht so angenommen wurde wie der Basar an sich. Viele Besucher des Weihnachtsmarktes "flüchteten" vom lauten Trubel des Weihnachtsmarktes in die "Oase der Stille" bei uns mit romantischer Beleuchtung.
Zum Sonntag Gaudete hatte Frau Mecke als neue Vorsitzende des Freundeskreises zu einer adventlichen Besinnung in unsere Kirche eingeladen mit Gesängen unserer Schwesternschola, Orgelspiel durch Herrn Mecke sowie ausgewählten literarischen, geistlichen Texten.
Nicht nur im Advent, sondern fast in jeder Sonntagsmesse leistet unsere Schola Hervorragendes, obwohl sie nur aus vier Schwestern besteht. Unter der Leitung von Sr. Laetitia wird der Gottesdienst mit lateinischem Choralgesang und auch mit mehrstimmigen Gesängen gestaltet.
Dankbar für alle Gnaden, für allen Schutz vor Unheil und Katastrophen konnten wir die Jahresschlussandacht feiern.

Januar 2006

Wir begannen das neue Jahr mit Exerzitien bei Herrn Pfarrer Dr. Uwe Scharfenecker aus Neckarsulm, der schon früher mal einige Tage bei uns verbracht hatte. Als versierter Augustinuskenner brachte er uns unseren Ordensvater in inhaltlich wie rhetorisch hervorragenden Vorträgen wieder nahe. Schwerpunktmäßig stand dessen Verständnis von Gemeinschaft, Eucharistie, Kirche und Seelsorge im Vordergrund.
Gleich in der ersten Schulwoche ereilte Sr. Antonia ein Unglück. Sie rutschte auf einer spiegelglatten Stelle vor dem Brüderkrankenhaus aus und zog sich einen Bluterguss im Knie zu, der operativ entfernt werden musste. Durch den "günstigen" Unfallort blieb ihr der Krankentransport erspart.
Als Ausklang der Weihnachtszeit gestalteten Lehrer- und Schülerinnenchor sowie das Schulorchester und Solistinnen aus den Reihen der Schülerinnen sowie die Schwesternschola eine kirchenmusikalische Andacht, die schon zur guten Tradition gehört. Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung aus dem Weihnachtsoratorium von Bach.

Februar 2006

Zu Fastnacht hielt Sr. Theresia zum 29. Mal ein Meditationswochenende "WEGE NACH INNEN" für Religionslehrer in Elkeringhausen. Wie alljährlich war für 50 Lehrerinnen und Lehrer diese Tagung eine echte Alternative zum Karnevalstrubel.

März 2006

Der Freundeskreis lud am Sonntag Laetare zu einer Stunde der Besinnung in unsere Kirche ein, in der Prof. Müller eine Predigt zum Thema "Freude" hielt; Fastenzeit und Freude schließen sich nicht aus.
Die exegetisch so gut fundierten Predigten mit Anregungen von Prof. Müller für das geistliche Leben, der jede Woche eine Werktagsmesse bei uns zelebriert, werden uns demnächst sehr fehlen. Prof. Müller wird nämlich ab Herbst 2006 einem Ruf von Bischof Algermissen nach Fulda folgen.
Wir können uns aber nicht beklagen, dass wir geistlich zu wenig "Nahrung" bekämen.
Die Sonntagspredigten von Herrn Pastor Gottschlich, dazu wöchentlich eine weitere Predigt von ihm sind für uns eine große Bereicherung. Auch die anderen Zelebranten, vor allem Generalvikar Hardt, Prälat Dornseifer, Prälat Hochstein, Monsignore Reinhardt und Pastor Hoppe geben uns regelmäßig in der Einführung zur Messfeier wertvolle Anregungen.
Der 80. Geburtstag von Professor Josef Ernst war Anlass für ein feierliches Dankhochamt in der Paderborner Marktkirche, der ehemaligen Jesuitenkirche "St. Xaverius" mit ihrer prächtigen Barockfassade und dem in neuem Glanz erstrahlenden Hochaltar. Professor Josef Ernst, emeritierter Neutestamentler der Theologischen Fakultät Paderborn, hat über sehr viele Jahre bei und mit uns regelmäßig den Gottesdienst gefeiert und uns mit unzähligen wertvollen geistigen und geistlichen Impulsen bereichert. Als einen Dank dafür schenkten wir ihm unseren musikalischen Beitrag zur Eucharistiefeier.
Die ursprüngliche Vision von Mutter Alix, ein Haus zu gründen, in dem alles Mögliche Gute getan werden soll und worin die Schwestern helfen, dass Christus in den Menschen wachsen kann und diese so zum vollen Menschsein reifen, diese Vision gilt es immer wieder neu zu entdecken für die jeweilige Zeit, in der sie gelebt wird. So erlebt auch unser Haus einen inneren und bald auch einen äußeren Wandel, eine Erneuerung auf Zukunft hin. Die Namenstagsfeier für Sr. M. Ancilla am Fest "Verkündigung des Herrn" stellte Sr. M. Ulrike unter das Motto "Baustelle Kloster - Baustelle Leben". Jede von uns brachte einen Baustein mit einem ihr wichtigen Bauelement mit, ehe das Fest (in kulinarischer Hinsicht eine willkommene Unterbrechung der Fastenzeit) in der Liturgie seinen Höhepunkt fand.
Gegen Ende der Fastenzeit hatten wir einen außergewöhnlichen Besuch im Kloster: ein Fernsehteam von SAT 1. Man wollte bei uns filmen, wie sich ein Konvent auf die Kar- und Ostertage vorbereitet. Viele von uns wurden interviewt, die Reporter kamen auch mit einigen Schwestern in den Unterricht. Bei den abendlichen Sendungen anschließend in der Karwoche waren allerdings nur dreiminütige Auszüge zu sehen.

April 2006

Die Liturgie der Kar- und Ostertage wurde durch unseren Chor "Canta voce" unter der Leitung von Frau Nicole Michaelis besonders festlich gestaltet. Wir freuen uns, dass viele Gäste der Einladung zur Mitfeier gefolgt sind. Im Anschluss an die Osternachtsfeier fand in der Eingangshalle der Schule für alle Teilnehmer eine Agape statt.

Mai 2006

In diesem Frühjahr gab es mehrere Klassentreffen von ehemaligen Schülerinnen bei uns. Die ältesten hatten vor 50 Jahren Abitur gemacht bzw. den Realschulabschluss. Es gab aber auch weitere runde Jubiläen (20, 25, 30 und 40 Jahre). Die ehemaligen Schülerinnen des Gymnasiums wurden meistens von Herrn Mecke begrüßt, die von der Realschule von Sr. Ancilla und Sr. Theresia.

Juni 2006

Am Ende des Schuljahres wurde Sr. Theresia nach 44 Dienstjahren als Lehrerin, davon 40 Jahre an unseren Schulen St. Michael und nach 17 Jahren als Schulleiterin unserer Realschule in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig wurde Frau Gertrud Oppenhoff als Nachfolgerin in ihr neues Amt eingeführt. In einer Eucharistiefeier im Dom sagten viele Gäste, darunter die Schulleiter der erzbischöflichen und öffentlichen Realschulen, die ehemaligen und jetzigen Kolleginnen und Kollegen sowie die Eltern und alle Schülerinnen mit Sr. Theresia gemeinsam Gott Dank für seinen Beistand, von dem sie sich letztlich immer getragen wusste.
Mit Beginn der Ferien konnten alle im Konvent aufatmen. Mehrere Schwestern brachen in verschiedene Himmelsrichtungen in den Urlaub auf, sei es in die eigene Heimat oder in die Schweiz, ins Frankenland oder Münsterland.
Das ganze Jahr hindurch waren junge und ältere Damen zu Gast bei uns; sie weilten zwei bis drei Tage bis zu drei Monaten hier, um sich in Stille zurückziehen zu können oder auch um an unserem Klosterleben teilzunehmen.
Wir bieten auch weiterhin interessierten Frauen Tage im Kloster oder Meditationswochenenden an.

Sr. M. Ancilla Ernstberger