Aus der Klosterchronik 2007 / 2008

Das Leben unserer klösterlichen Gemeinschaft war im vergangenen Jahr von manchen herausragenden Ereignissen bestimmt. An erster Stelle ist unser Rückblick von Dankbarkeit erfüllt über das Freudvolle und auch das Schwere, das unsere Gemeinschaft geformt und gefördert hat, und für die vielfältigen Hilfen und Unterstützungen, die wir erhielten.

Die Zahl der Schwestern ist kleiner geworden, da zwei Schwestern heimgerufen wurden: Sr. M. Remigia (+ 01.03.08) und Sr. M. Leonie (+ 17.03.08). (s. Nachrufe an anderer Stelle) Ihr Tod war ein spürbarer Einbruch und ein großer Verlust für uns, da beide fast bis zuletzt an unserem Gemeinschaftsleben teilnehmen konnten und zum "Urgestein" von Kloster und Schule St. Michael gehörten. Jetzt zählt unser Konvent 14 Schwestern im Alter von 41 bis 96 Jahren.

Das Jahr 2007 stand für uns im Zeichen des Gedenkens an unsere Ordensgründerin, Alix le Clerc, die vor 50 Jahren selig gesprochen wurde. Es fand eine große Feier in Nancy statt, wo ihre Reliquien, die seit ihrer Wiederentdeckung im Jahre 1950 in der Schulkapelle Notre-Dame aufbewahrt wurden, in die Kathedrale von Nancy überführt wurden und nun in der mittleren Seitenkapelle öffentlich verehrt werden können. Mit vielen Augustiner Chorfrauen aus 43 Ländern nahmen auch von uns Schwestern an den Feierlichkeiten teil. Ein weiteres Ordenstreffen mit einem festlichen Programm gab es in Trier beim "Welschnonnentag", zu dem der Förderverein der Welschnonnenkirche, der ehemaligen Klosterkirche der Augustiner Chorfrauen, anlässlich der Festwoche zur Einweihung der restaurierten Stumm-Orgel alle Schwestern aus Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland eingeladen hatte.

Ein festliches und freudiges Ereignis bei uns war die Fertigstellung unserer renovierten und neugestalteten Kirche mit der Einweihung des neuen Altares im Chörchen, der Einsetzung des Allerheiligsten im neuen Tabernakel und einer feierlichen Eucharistie am Hochfest des hl. Augustinus (28.08). Sr. Ancilla konnte zahlreiche Freunde, Förderer und Mitarbeiter begrüßen sowie die Architekten, Unternehmen und deren Mitarbeiter, die mit der Neugestaltung der Kirche betraut waren. Diese hätte sich nicht realisieren lassen ohne die Hilfe so vieler Wohltäter, denen unser besonderer Dank gilt. Inzwischen wurde unsere renovierte Klosterkirche schon von vielen Gästen besucht. Bei musikalischen Veranstaltungen, wie die spirituelle Nacht im Rahmen des Festivals "Musica sacra", das Gitarrenkonzert unter dem Thema "In Ewigkeit", die musikalische Andacht zum Ausklang der Weihnachtszeit, wirkte die Harmonie von Musik und Beleuchtung auf die Zuhörer faszinierend.(Mehr über die neugestaltete Kirche an anderer Stelle)

Zu den persönlichen Gedenktagen, die wir feierten, gehörte die Vollendung des 95. Lebensjahres von Sr. M. Regina, die vielen noch als "Pfortenschwester" bekannt ist. Sie ist nicht nur die älteste Schwester unseres Konventes, sondern hat sogar das höchste Alter aller Schwestern in der 350-jährigen Geschichte unseres Klosters erreicht. Wir feierten ihren Geburtstag in Salzkotten, wo sie während der Klostersanierung liebevoll "wie eine Prinzessin" - nach eigener Aussage - von den Salzkottener Franziskanerinnen umsorgt wird, gemeinsam mit unserer 83-jährigen Sr. M. Elisabeth.
Sr. M. Paula schaute in Dankbarkeit und Freude auf 90 vollendete Lebensjahre zurück, die man bei ihr angesichts ihrer körperlichen und geistigen Beweglichkeit nicht vermutet. Fast gleichzeitig konnte sie mit vielen Gästen ihr Goldenes Professjubiläum begehen.

Den Höhepunkt aller Feiern im Jahre 2008 bildete natürlich das 350-jährige Jubiläum von Kloster und Schule. Da ausführlich in diesen Paderquellen darüber berichtet wird, beschränkt sich die Chronistin auf die Feiern im Kloster. Ein erster Höhepunkt war die Überreichung der Festschrift "Up de Nonnen" an jede Schwester durch Herrn Mecke. Schon von Anfang des Jahres an konnten wir aus dem Vorabdruck bei der Tischlektüre eintauchen in den reichen Schatz, den Herr Mecke in unermüdlicher Arbeit aus dem Klosterarchiv und vielen anderen Archiven gehoben hat. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er die wechselvolle Geschichte von St. Michael uns und vielen Lesern zugänglich gemacht hat.
In dankbarem Gedenken an die Gründung vor 350 Jahren (28.03.1658) hielten wir in der Osterwoche klosterintern ein Triduum mit Festhochamt, Wallfahrt nach Verne und gemütlichem Beisammensein in der Freude an einem alten Film mit dem "Annalenspiel" aus dem Jubeljahr 1983. Vor den großen Feierlichkeiten im Juni konnten wir schon mit zahlreichen Gästen einige Sonntagsmessen feiern, die von verschiedenen Chören festlich gestaltet wurden. Weitere Festmessen folgen monatlich. Am Ende des Jubeljahres wird noch eine Engelausstellung mit einem Begleitprogramm in unserer Kirche stattfinden.
Im Rückblick auf die zahlreichen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres erfüllt uns eine tiefe Dankbarkeit gegenüber allen, die zum guten Gelingen mit ihrem ganzen Einsatz beigetragen haben: die Kolleginnen und Kollegen, die Schülerinnen und Eltern, die Freunde und Wohltäter. Allen von Herzen unseren tief empfundenen Dank und Gottes Segen für ihre Verbundenheit!

Was den Konvent hautnah berührte, war natürlich der Auszug aus dem Kloster im Hinblick auf den Umbau und die Sanierungsmaßnahmen. Im April 2007 wurde das Klostergebäude zunächst "durchlöchert", weil die Böden und Wände untersucht werden mussten; dabei kamen Fachwerk mit Schilf und Holz, sowie Natursteine, verschiedenste Ziegelsteine, Asche, Pappe und Beton als Baumaterial zum Vorschein. Dies zeigte die Bauepochen von drei Jahrhunderten an, angefangen von 1691, als Fürstbischof Hermann Werner das Kloster erbauen ließ, über1927, als das Haus ausgebaut wurde, bis zum Wiederaufbau 1946 nach der Kriegszerstörung. Der Statiker stellte mit Erstaunen fest, dass wir "einen guten Schutzengel" gehabt haben müssen, denn die zweite und die dritte Etage drohten einzustürzen. Zum Glück hatte unser Exodus schon stattgefunden, als wir davon erfuhren. So einen Auszug mit sämtlichen Sachen aus über 300 Jahren hat es wohl nie zuvor im Michaelskloster gegeben, nicht einmal bei der Übersiedlung nach Belgien im Kulturkampf. In fünf Großaktionen wurden alle Möbel ausgeräumt und die Dachböden über dem Kloster und dem Altbau der Schule sowie die Garage und die Kellerräume in Möbel- und Warenlager verwandelt. Dank der tatkräftigen Hilfe von Freiwilligen , u.a. Jungbauern und Theologiestudenten, konnte der Transport bewältigt werden, den allerdings einige der alten Möbelstücke nicht überlebten. Bis Ende Juni 2007 waren alle Schwestern in ihre neuen Unterkünfte eingezogen - verteilt in den Höhen und Tiefen von Schule und Paderbau, die meisten in den ehemaligen Internatsräumen. Ende Juli waren auch alle Gemeinschaftsräume leer geräumt. Das Refektor wurde im Pader-Sprechzimmer eingerichtet, musste aber schon dreimal wegen Bauarbeiten in der Kloster-Eingangshalle zeitweise verlegt werden, die Gästeküche wurde zur Klosterküche umfunktioniert. Das einzige Sprechzimmer, das verblieben ist, dient als Mehrzweckraum. Als im August die Handwerker ihren Einzug ins Kloster hielten, freute sich besonders Sr. Gabriela, dass alles rechtzeitig geschafft war. Sie hatte beim Auszug alles organisiert, Platz geschaffen für Möbel und Kisten, aussortiert und Überflüssiges zur Caritas gebracht; große Mengen Altpapier entsorgte sie im Bauhof.
Dieser Umzug bedeutete natürlich für alle eine große Umstellung, aber wir haben uns arrangiert und tragen unser Leben "in der Diaspora" mit Humor.(s. Abbildung) Einige Schwestern stellten schon bald fest, wie entlastend es sein kann, nur das notwendigste Hab und Gut greifbar zu haben. Andererseits setzt oftmals eine Suchaktion ein nach Dingen, die unbedingt gebraucht werden.
Nach einem Jahr in den Asylunterkünften freuen sich inzwischen aber alle, bald wieder im Kloster leben können, dazu ohne Staub und Baulärm. Den Kampf gegen den Staub haben wir inzwischen fast aufgegeben. Einige träumen schon von den zukünftigen Nasszelle, die für alle Schwestern eingebaut werden. Aus zwei kleinen Klosterzellen, - es lebten immerhin um 1930 mehr als 70 Schwestern im Kloster -, wird nun eine größere Zelle für jede Schwester.
Mit Interesse verfolgten wir von Anfang an die Bauarbeiten, für die Sr. Laetitia alle Fäden in der Hand hat. Anhand eines Zeitplanes konnten wir verfolgen, welche Arbeiten jeweils durchgeführt wurden oder sich auch verzögerten, angefangen von den Rohbauarbeiten, über Trockenbauarbeiten, Malerarbeiten bis zur Heizungs-/Sanitärinstallation und Elektroinstallation. Wir konnten nur staunen, wie die kilometerlangen Kabel und Rohre (4250 m Heizungs- und Wasserrohre, 15000 m Stromkabel) an die richtigen Stellen verlegt werden. Schon Anfang 2008 wurde eine "Musterzelle" fertiggestellt, damit wir eine Vorstellung gewinnen können, wie demnächst die Räume aussehen. Seit den Osterferien ist auch die Klostereingangshalle eine Baustelle; dies wird solange dauern, bis der neue Aufzug fertig ist. Ab Ende Juli hoffen wir, mit dem Einzug in das "Gelobte Land" beginnen zu können.

Vieles andere weiß die Klosterchronik noch aus dem letzten Jahr zu berichten, was aber den Rahmen dieser Homepage sprengen würde. Es sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, mit welcher Spannung und Freude wir die im ARD - Fernsehen ausgestrahlte Frageshow "Das Quiz" mit Jörg Pilawa sahen, in der Sr. Ancilla und Sr. Ulrike knobelten und kombinierten und es geschafft haben, die von ihnen gewählte Gewinnstufe von 20.000 € zu erreichen. Zu denen, die sich mit freuten, gehörte auch Erzbischof Hans-Josef Becker, der später meinte, dass die beiden auch eine gute Werbung für die Kirche von Paderborn dargestellt hätten.

Sr. M. Theresia Brammen