Aus der Klosterchronik 2008 / 2009

Einzug in das renovierte Kloster

Nach unserem großen "Exodus" 2007/2008 gaben wir am Schluss der Klosterchronik im letzten Jahr der Hoffnung Ausdruck, bald mit dem Einzug in das "Gelobte Land" beginnen zu können. Ende Juli 2008 war es so weit: Die ersten Schwestern trotzten dem Bauschmutz und -lärm und bezogen ihre neuen Zimmer. Die eigene Nasszelle bedeutete für alle eine Wohltat. Sobald der neue Aufzug in Betrieb genommen werden konnte, zogen auch alle anderen Schwestern nach und nach aus dem Exil wieder ins Kloster ein - in großer Freude und Dankbarkeit. Im August und September war zwar die Zahl der Handwerker im Kloster immer noch größer als die der Schwestern, aber wir konnten die Fortschritte der Anstreicher- und Schreinerarbeiten täglich beobachten und freuten uns über jede weitere gestrichene Wand oder eingesetzte Tür. Zuletzt konnten wir im Oktober auch wieder unser Refektorium beziehen. Dort hatten sich die Arbeiten verzögert, weil ein neuer Fußboden gelegt werden musste; die alten Holzdielen waren so morsch, dass sie nicht mehr tragfähig waren. Immer mehr wurde das renovierte Kloster wieder unsere Heimat. Im Erdgeschoss wurden die alten Gemälde aufgehängt: die Portraits vom hl. Pierre Fourier und von der sel. Alix le Clerc, der "Tod des hl. Alexius" (v. Johann Georg Rudolphi) sowie drei riesige Gemälde unbekannter Meister, die schon bei der Umgestaltung der Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts ihren Platz im Refektorium und im Klostergang fanden: unser Ordensgründer mit den Konstitutionen, die brannten, aber nicht verbrannten, die hl. Gertrud mit der hl. Maria Margareta Alacoque (Bruderschaftsbild) und "Christus mit den gebundenen Händen". Da der 300-jährige Buntsandstein-Fußboden im Klostergang erhalten werden konnte, ebenso die alten Türen dort mit den Beschlägen sowie die Dielen und Wandschränke im Gemeinschaftsraum, haben wir trotz aller Veränderungen doch das heimatliche Gefühl, wieder in "unserem" Kloster zu wohnen.
Am 1. Advent wurde im Anschluss an einen Dankgottesdienst unser saniertes und renoviertes Kloster von Monsignore Thomas Dornseifer gesegnet. Mit uns freuten sich die Architekten und die Vertreter der beteiligten Unternehmen. Herr Hubert Wewer von der Architektur-Werkstatt Paderborn übergab Sr. Ancilla einen als Grundriss des Klostergebäudes symbolisch gestalteten Hausschlüssel. Der Schlüsselbart, wichtigster Teil eines jeden Schlüssels, wird von unserer Kirche gebildet. Sie ist das Zentrum unseres klösterlichen Lebens, das wir nun nach dem Abschluss der gelungenen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im neuen Zuhause fortsetzen dürfen.
Alle Zimmer der Schwestern und die Gemeinschaftsräume sind weitgehend eingerichtet. Im Meditationsraum gibt es jetzt neben den Meditationshockern auch eigens hergestellte Meditationsstühle, außerdem Wollmatten für Eutonie-Übungen. Bis zur Fertigstellung der Klosterbücherei und des Archivraums wird allerdings noch einige Zeit vergehen.
Zum Inventar der Klosterkirche gehört auch wieder eine Glocke - wie in der Zeit vor der Zerstörung. Seit vielen Jahren stand diese Glocke in der Alexiuskapelle, konnte dort aber nicht aufgehängt werden, da der kleine Glockenturm seit dem Wiederaufbau nicht tragfähig ist. Die Glocke kündet jeweils eine Minute lang während des Tages unsere Gebetszeiten an, mit Rücksicht auf die Nachbarn allerdings nicht vor den Laudes um 6 Uhr.
Die Jahresschlussandacht war noch einmal Gelegenheit, ausdrücklich Dank zu sagen, Dank an Gott und an die Mitschwestern. Ohne den großen Einsatz von Sr. Ancilla, Sr. Gabriela und Sr. Laetitia sowie unserer Angestellten Frau Galdina Hecht und Frau Valentina Gesler wäre die Klostersanierung mit Auszug und Wiedereinzug nicht möglich gewesen. Sr. Ancilla trug bei allen Entscheidungen die Hauptverantwortung; Sr. Laetitia hatte die Last der "Bauleitung" zu tragen und führte alle Verhandlungen mit den Architekten und Baufirmen; Sr. Gabriela sorgte für die Möbeltransporte und den übrigen Hausrat.
"Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut." Eingedenk dieses Psalmwortes dürfen wir voll Vertrauen in die Zukunft blicken.

Feste und Feiern

In Fortsetzung der Feiern zum 350-jährigen Jubiläum fanden in den Monaten August, September und Oktober jeweils festliche Sonntagsgottesdienste statt mit anschließender Begegnung bei einem Imbiss. Dazu waren zunächst alle eingeladen, die sich für das Gelingen der Jubiläumsfeiern mit so großem Engagement eingesetzt hatten. Sodann waren die Ordensleute der Stadt Paderborn und der Umgebung unsere Gäste. Zuletzt feierten wir noch mit unseren Verwandten. Die Gottesdienste wurden wieder musikalisch von jeweils einem Chor gestaltet, dem Ensemble "Stimmband", dem Vokalensemble der Marienschule Bielefeld und dem Chor "Cantamus" aus Nordborchen. Die Zelebranten Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt, Regens Wischkony und Dechant Benedikt Fischer gaben in ihren Predigten den Messfeiern besondere Akzente.
Außer den großen kirchlichen Festtagen boten auch persönliche Gedenktage Anlass zum Feiern:
Sr. Ancilla konnte am 25.04.2009 ihr Silbernes Professjubiläum begehen. Sie hatte sich als Leitwort gewählt "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (Apg 17,28). Höhepunkt war die Festmesse mit dem Hauptzelebranten Prälat Hochstein, unter Mitwirkung des Chores "Canta voce" und der Flötistin Nicola Düro. Beim anschließenden Empfang im Binnenhof versammelten sich viele Gratulanten.
Gleich zweimal konnten wir die Vollendung des 50. Lebensjahres einer Schwester feiern: Sr. Ancilla am 13.10.2008 und Sr. Ulrike am 09.07.2009. Zahlreiche Verwandte, Freunde und Bekannte kamen zur Gratulation (siehe auch Artikel an anderer Stelle).

Unsere Gäste

Wir durften das ganze Jahr hindurch Gäste empfangen. Viele kamen, um unser Kloster zu besichtigen, allen voran Erzbischof Hans-Josef Becker. Ihm gefiel die Helligkeit und Weite der Räume, in denen das Alte mit dem neuen in gelungenem Einklang steht. Nach der Feier der Konventsmesse frühstückte der Erzbischof mit uns bei einem lockeren Gedankenaustausch.

Ein weiterer bischöflicher Gast war im August Weihbischof Matthias König. Er kam als Beauftragter des Erzbischofs für die Gemeinschaften des geweihten Lebens zur Visitation. Zwei Tage hatte sich Weihbischof König dafür Zeit genommen. Neben einem Konventsgespräch führte er mit jeder Schwester ein eingehendes Gespräch, das von langer Hand vorbereitet war. Wir hatten nämlich schon mehrere Wochen vorher Fragebögen zum Leben in unserer Gemeinschaft ausgefüllt, die der Bischof sorgfältig - mit Hilfe des Ordensreferenten Herrn Dr. Olschewski - ausgewertet hatte. Einige Wochen später kam Weihbischof König noch einmal, um seine Rückmeldung aufgrund der Einzelgespräche zu geben bei der Oberin, beim Rat und beim ganzen Konvent. Er zeigte uns Wege auf zur Intensivierung des geistlichen Lebens in unserer Gemeinschaft. Wir sind Herrn Weihbischof König sehr dankbar für diese intensiven Gespräche.

Im März war Schwester M. Heriburg Schwering aus Essen als stellvertretende Föderationspräsidentin bei uns zu Gast. Seit Gründung der Föderation der Augustiner Chorfrauen (1972) gibt es alle drei Jahre eine Visitation im Sinne eines freundschaftlichen Besuches in den Klöstern der Föderation. Da M. Heriburg aus Altersgründen nicht mehr zur Wiederwahl als Präsidentin oder deren Vertreterin zur Verfügung stehen möchte, war ihr Besuch wie ein Vermächtnis an alle Schwestern, mit denen sie Einzelgespräche führte.

Interessiert an einer Besichtigung des Klosters waren auch viele ehemalige und aktive Kolleginnen und Kollegen. Letztere hatten mit viel Geduld monatelang den Baulärm, der die Schule nicht verschonte, ertragen müssen und freuten sich mit uns über die gelungenen Baumaßnahmen.

Seit September 2008 können wir auch wieder Gäste mit Übernachtung bei uns aufnehmen. Es stehen ihnen sieben Zimmer im sog. "Paderbau" und zwei neue Zimmer mit Nasszelle im Kloster zur Verfügung. Die Mahlzeiten nehmen die Gäste im eigenen Refektorium im Erdgeschoss ein. Außer Verwandten und Freunden weilten längere Zeit bei uns Clara Wortmann, Studentin in Tübingen, und Claudia Vecsey, Grundschullehrerin in Fritzlar, die auch das Leben mit uns im Kloster teilten. Weitere Gäste waren jüngere und ältere Damen, die ein paar ruhige Tage bei uns verbringen wollten, teils mit geistlicher Begleitung.

Auch viele Gruppen mit Tagesgästen besuchten uns, um unseren Orden sowie Kloster und Kirche kennen zu lernen. Zu ihnen gehörten u.a. Priester des Weihejahrgangs 1953 mit Altbischof Scheele aus Würzburg (früher Weihbischof in Paderborn), Teilnehmer eines Kurses aus Hardehausen, Kolping, Rotarier, Firmlinge und Erstkommunionkinder. Wir freuen uns auch immer, wenn Altschülerinnentreffen bei uns stattfinden, z. B. der RS - Abschlussjahrgang 1954 am 14.03.2009.

Wiederholt wurden wir selber als Gäste eingeladen in das neue Gästerefektorium zu einer Begegnung. Der Vorstand des Freundeskreises hatte dazu Kaffee und Kuchen vorbereitet, Kolleginnen und Kollegen der Realschule tischten die Ergebnisse ihrer Kochkünste auf: köstliche Pizza, Salate und diverse Nachspeisen. Frau Marga Hano lud zur Nachfeier der Vollendung ihres 70. Lebensjahres ein.
Wir danken allen sehr herzlich, die keine Mühe scheuten, uns eine Freude zu bereiten.

Als Gäste waren wir auch eingeladen zu einer Veranstaltung in der Schule mit viel Prominenz. Aus Anlass der Unterzeichnung der 100. Kooperation Schule - Wirtschaft zwischen unserer Realschule und dem Textilhaus Klingenthal am 06.02.2009 konnte Sr. Ancilla u.a. Erzbischof Hans-Josef Becker, NRW-Schulministerin Barbara Sommer, IHK-Präsident Ortwin Goldbeck und Textilunternehmer Ferdinand Klingenthal begrüßen.

Veranstaltungen

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres hatten wir im Advent eine Engelausstellung in unserer Kirche mit Skulpturen des Holzschnitzkünstlers Angel Gottfried Stefanov, die viel beachtet wurde. In Verbindung mit der Ausstellung gab es an fünf Abenden ein Begleitprogramm mit jeweils einem geistlichen Wort und musikalischer Umrahmung durch Chöre und Orgel. Unter verschiedenen Aspekten wurden Engel betrachtet von Pastor Dr. Rainer Hohmann, Frau Ute Rabe, Sr. Christhild Neuheuser, Frau Rita Mecke sowie Sr. Gabriela und Sr. Theresia. Es sangen der Unterstufenchor der Realschule, der Chor CANTA VOCE und der Jugendchor SUNBEAM aus Bad Lippspringe. An der Orgel spielten Frau Ulrike Lausberg aus Münster und Herr Dr. Rabe.
"Engel zwischen Himmel und Erde" - so war auf den Plakaten und Flyern zu lesen, da der Künstler seine Engel verkörpert sieht in Baumstämmen als Symbol für die Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde, zwischen Gott und den Menschen. Die Engel sind dargestellt entsprechend dem biblischen Verständnis als Boten, gleichsam als Sprachrohr göttlicher Botschaften. Seit einigen Jahren sind wir mit dieser Art der Darstellung vertraut durch die Skulptur des Erzengels Michael, die wir von G. Stefanov für unsere Kirche käuflich erwarben. Unter den zahlreichen Besuchern der Ausstellung fanden mehrere großes Gefallen an den Engeln, sei es an einer Darstellung als Schutzengel, als musizierender oder segnender Engel, und kauften sie.

Den Einladungen des Freundeskreis St. Michael im Advent und in der Fastenzeit zu einer besinnlichen Stunde in unserer Kirche folgten viele Bekannte. Am Sonntag "Gaudete", dem 3. Adventsonntag, fand eine musikalische Andacht mit einem Orgelkonzert von Frau Ulrike Lausberg aus Münster statt.. In der Besinnungsstunde am Sonntag "Laetare", den 4. Fastensonntag, hielt Pastor Achim Hoppe eine Homilie, und Frau Rita Mecke trug meditative Gedanken zur Ausgestaltung des Altarraumes vor. Am Hochfest des hl. Augustinus (28.08.08) trafen sich alle Gäste nach der feierlichen Vesper zu einem Imbiss mit gemütlichem Beisammensein in der Glashalle.

In Anknüpfung an die guten Erfahrungen im Jubiläumsjahr fanden auch in diesem Jahr wieder Sonntagsgottesdienste statt, in denen ein auswärtiger Chor sang. Die erste Gestaltung im Mai übernahm das Ensemble "Cantamus" aus Nordborchen. Eine Besonderheit am Schluss dieser Messfeier war der persönliche Segen, den der Zelebrant Präfekt Salzmann zum Muttertag allen leiblichen und geistlichen "Müttern" einzeln spendete. Nach der Messe gab es einen gemütlichen Ausklang mit Frühschoppen im Binnenhof. - Die weiteren Gottesdienste mit Chor gestalteten der Singkreis "Kontaktforum" und der Kirchenchor St. Laurentius aus Nordborchen. Wir danken den engagierten Sängerinnen und Sängern sehr herzlich.

Zwei Konzertveranstaltungen zeigten, dass der Raumklang unserer Kirche von Musikfreunden sehr geschätzt wird. Am 09.11.08 spielte der aus dem Vorjahr bekannte Gitarrist Stefan Wiesbrock, der ausschließlich eigene Instrumentalkompositionen bot und seine Musik auf zahlreichen CDs veröffentlicht hat. Dagmar Fischer und Reiner Franzke überraschten die Zuhörer mit Improvisationen an "Singenden Instrumenten". Der Klang dieser handgeschmiedeten Schlagwerke war für viele recht ungewohnt.

Zu den bewährten Veranstaltungen gehört die kirchenmusikalische Andacht zum Ausklang der Weihnachtszeit. Unter der Leitung der Musiklehrkräfte der Schule sangen und musizierten wie alljährlich der Lehrerchor, das Schulorchester und die verschiedenen Chöre der Schülerinnen.

Ohne hörbare Klänge ging es bei den Wüstentagen im Kloster zu, die Sr. Theresia und Sr. Gabriela anboten. Interessierte Teilnehmer ließen sich jeweils an einem Samstag auf Ruhe und Schweigen ein. (Näheres s. Artikel "Wüstentage im Michaelskloster")

Wohltuende Ruhe herrschte auch in der "stillen Pause" in unserem neuen Meditationsraum. Auf Einladung des Schulseelsorgers Pastor Hoppe kamen Schülerinnen der Jahrgangsstufen 11, 12 und 13 in der Fastenzeit wöchentlich während einer Pause, um im Stress des Schulalltags einfach mal Ruhe zu finden und mit sich selbst und mit Gott in Kontakt zu kommen. Sr. Theresia führte sie jeweils kurz ein.

Schülerinnen der 9. Klasse der Realschule machten den Vorschlag, an den langen Winterabenden gemeinsam mit den Schwestern Gesellschaftsspiele zu machen. Diesen Wunsch erfüllten wir gern. Die Freude am spielerischen Kräftemessen im Kloster verlangte nach Fortsetzung.

Auch außerhalb von Kirche und Kloster gab es Veranstaltungen, an denen Schwestern mitwirkten. So war unser Kloster wieder beim Dalheimer Klostermarkt vertreten, der seit einigen Jahren am letzten Wochenende im August stattfindet. Dank vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer konnten Kaffee und Kuchen, Plätzchen und Marmelade sowie Fotokarten angeboten werden. Dabei gab es viele gute Begegnungen mit den zahlreichen Besuchern.

Weniger um das leibliche Wohl als um das seelische ging es an dem Meditationswochenende "Wege nach innen" in Winterberg - Elkeringhausen, das Sr. Theresia seit über 30 Jahren für Religionslehrer hält. Es stand unter dem Thema "Gott begegnen im Dunkel der Nacht". Auch in einwöchigen Kontemplationsexerzitien im Priorat St. Benedikt in Damme/Oldenburg, die Sr. Theresia begleitete, konnten sich die Teilnehmer in kontemplativen Übungen und mit Impulsen christlicher Mystiker auf den inneren Weg machen und Wege für ihre Spiritualität heute entdecken.

Sr. Theresia und Sr. Gabriela wirken außerdem mit bei der seit Anfang des Jahres eingeführten Meditation im Paderborner Dom. Jeden Mittwoch gibt es dort von 12.15 Uhr bis 12.45 Uhr das offene Angebot für alle, die Ruhe und Begegnung mit Gott im Schweigen suchen.

Sr. Ulrike hielt vor Pfingsten einen Besinnungsnachmittag für Ordensleute im Franziskanerkloster Werl mit dem Thema "Der Hl.Geist - die schöpferische Aktivität Gottes".

Kontakte mit anderen Klöstern

Die bedeutsamste Begegnung mit Ordensleuten anderer Klöster war für uns in diesem Jahr in der Osterwoche das Föderationskapitel in Haus Hasselsiefen/Lohmar, zu dem sich 17 Schwestern aus 5 Klöstern der Föderation der Augustiner Chorfrauen trafen, darunter als Gast eine Schwester in Vertretung des Generalats der Congregation Notre Dame aus Paris. Es war ein herzliches Miteinander und ein intensiver Austausch über die Sprachgrenzen hinweg.. Beim Gottesdienst und Chorgebet vereinte sich die internationale Gruppe zum gemeinsamen Gotteslob in Deutsch, Latein, Slowakisch und Französisch. Auf Vorschlag des Föderationsrates wurden folgende Themen, zu denen Sr. Veronika als Präsidentin das Arbeitsmaterial vorbereitet hatte, eingehend erörtert: Die apostolisch-augustinische Spiritualität, Alix le Clerc heute, die Situation der älteren Schwestern und Berufungspastoral; zu Letzterem gab Sr. Ulrike Brand eine Einführung und stellte das Konzept des Michaelsklosters vor. An einem Abend berichtete Sr. Thérèse Poizat von der aktuellen Situation der Congregation ND. Sr. Dorothea Kuld aus Essen stellte den Entwurf einer Stiftungsurkunde zur Errichtung einer Stiftung der Welschnonnenkirche in Trier vor. Da in Trier das erste Kloster der Augustiner Chorfrauen auf deutschem Boden gegründet wurde, ist der Erhalt der schönen barocken Klosterkirche ein Anliegen des Ordens.
Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Wahl der Föderationsleitung. Sr. Veronika wurde als Vorsitzende wiedergewählt; ihre Vertreterin wurde Sr. Maria Liskova, Assistentin in Bratislava. Die bisherige Vizepräsidentin, M. Heriburg Schwering aus Essen, die sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellte, wurde von Sr. Veronika in einer kleinen Feierstunde verabschiedet, in der sie den außerordentlichen Einsatz von M. Heriburg als langjährige Präsidentin (seit1972) und als Vizepräsidentin würdigte. - Der Abschied von den gastlichen Haus Hasselsiefen fiel allen nicht leicht, da es dort kein Ordenstreffen mehr geben wird; die Essener Schwestern müssen ihr schönes Erholungshaus aus Personalgründen verkaufen.

Ein neuer Kontakt entstand zu dem Zisterzienser Kloster in Bochum-Stiepel. Pater Dr. Bruno Hannöver OCist, einer unserer Mieter im Kloster, lud uns zum Klosterfest am Pfingstmontag in sein Kloster ein. Mit über 2000 Gästen feierten wir auf dem großen Platz vor der Wallfahrtskirche der Schmerzhaften Mutter von Stiepel das Pontifikalamt mit Abt Gregor Henckel von Donnersmarck aus der österreichischen Zisterzienserabtei Heiligenkreuz bei Wien. Nach dem Besuch beim Gnadenbild und einem Imbiss rundete eine Besichtigung des vor 20 Jahren erbauten Klosters für uns das Fest ab.
Mit allen Paderborner Ordensleuten waren wir am 25.05.2009 eingeladen im Brüderkrankenhaus zum Titularfest der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf . Gleichzeitig gedachten die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut des 100. Todestages ihres Gründers Abt Franz Pfanner. Nach einer eindruckvoll gestalteten Vesper gab es bei einem abendlichen Imbiss ein fröhliches Beisammensein.
Viele Ordensleute aus der Diözese trafen sich auch bei uns am "Tag des geweihten Lebens" wie in den vorhergehenden Jahren im Anschluss an die Messfeier im Dom zur Begegnung. Dabei wurde Sr. Elisabeth (84 J.) als älteste Teilnehmerin zusammen mit der jüngsten (32 J.) von der Kirchenzeitung DER DOM interviewt.

In der Liboriwoche wurde bei uns ein neues Projekt von Ordensleuten durchgeführt "Kloster am Weg", deren Organisation in den Händen von Sr. Ulrike lag. Unter dem Thema "Menschsein - Christsein - Nachfolge" boten Ordensleute aus der bunten Vielfalt geistlicher Gemeinschaften des Erzbistums Paderborn in unserer Kirche, im Innenhof und in der Eingangshalle einen Ort der Begegnung, des Gebetes und des geistlichen Tuns an - eben "Beten und mehr...". Viele Libori-Gäste nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit Ordensleuten, nahmen an der "Liturgie zum Stundenschlag" teil, verweilten zur Anbetung oder freuten sich an den kreativen Angeboten mit Malen, Schreiben und meditativem Tanzen.

Fortbildungen

Schon Goethe sagte, dass man nichts mehr für sein ganzes Leben lernen kann. Um so mehr ist heute lebenslanges Lernen erforderlich; auch für uns Schwestern.

Sr. Veronika hat im November eine berufsbegleitende Fortbildung in Essen mit der Zusatzausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse, an der sie seit Februar 2005 teilgenommen hat, erfolgreich abgeschlossen. Die Logotherapie unterstützt den Menschen bei der Verwirklichung der von ihm selbst entdeckten Sinnmöglichkeiten in die Lebenspraxis. Sr. Veronika besucht noch weiterhin ein Ergänzungsseminar.

Sr. Gabriela hat ihre Ausbildung zur Eutonie - Pädagogin bei Eleonore Gottfried-Massa im Europäischen Zentrum für Meditation und Begegnung in der Neumühle (Tünsdorf/Saar) fortgesetzt, für die sie regelmäßig an Seminaren teilnimmt.

Sr. Laetitia erhielt im Dezember 2008 das Abschlusszeugnis der berufsbegleitenden Weiterbildung der IN VIA Akademie in Paderborn, die sie seit Oktober 2005 besuchte. Sie hat die Abschlussprüfung mit sehr gutem Erfolg bestanden und ist nun berechtigt zur Führung der Berufsbezeichnung "Betriebswirtin" - Fachrichtung Sozial- und Gesundheitswesen. Wir freuen uns alle mit ihr.

Sr. Ulrike nahm an einem Workshop der Arbeitsgemeinschaften der Berufungspastoral der Orden in Limburg teil. Es ging um die Entwicklung von Konzepten in der Berufungspastoral, was Sr. Ulrike umgehend für unser Kloster realisierte.

Gesundheit und Krankheit

Wenn alle wohlauf sind, ist im allgemeinen Gesundheit kein Thema. Wenn sich aber jemand dankbar seiner Gesundheit bewusst ist und sich deshalb für die Gesundheit anderer einsetzt, ist das wohl erwähnenswert. Sr. Ulrike hatte in diesem Jahr ihre 80. Blutspende. Aus jahrelanger Erfahrung wirbt sie immer wieder bei anderen für die Blutspende als gesundheitliche Empfehlung.

Wie plötzlich eine Krankheit auftreten kann, erlebten wir in diesem Jahr bei drei Schwestern, die sich einem kürzeren oder längeren Krankenhausaufenthalt unterziehen mussten. Sr. Raphaele, Sr. Paula und Sr. Anna sind inzwischen wieder genesen. Wir sind mit ihnen dankbar für Gottes spürbare Hilfe.

Tod von Sr. M. Regina

Unerwartet schnell wurde Sr. M. Regina Dolhaine am 31.10.08 von Gott heimgerufen im gesegneten Alter von 96 Jahren. Sie war die älteste Schwester in der 350-jährigen Geschichte unseres Klosters. Nach ihrem Aufenthalt im Mutterhaus der Salzkottener Franziskanerinnen während des Umbaus war es ihr nur wenige Wochen vergönnt, im renovierten Kloster zu wohnen. Die letzten vier Tage musste sie noch ins Krankenhaus, ganz bereit für die Ankunft des Herrn. - Nachdem sie ihren Dienst als Pfortenschwester nicht mehr ausüben konnte, übernahm sie ganz bewusst das Apostolat des Gebetes. Jedem, der zu ihr kam, versicherte sie ihre Gebetshilfe und den "Reisesegen". Die zahlreichen Teilnehmer an ihrer Beerdigung bekundeten ihre Wertschätzung für die Verstorbene. Wir verabschiedeten uns von Sr. Regina nicht wie sonst üblich in der Kapelle auf dem Friedhof, sondern im Anschluss an das Auferstehungsamt in unserer Kirche, wo der Sarg vor der Messe aufgestellt wurde. Danach geleiteten wir sie zu Grabe. R.i.p.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Das Leben in Kloster und Schule ist ohne unsere treuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht denkbar. Drei von ihnen wurden in diesem Jahr nach langjähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. (s. auch Artikel "Verabschiedungen")

Am 28.01.2009 verließ uns Frau Monika Lehmann. 23 Jahre lang hat sie vor allem die Beihilfeanträge der Lehrerinnen und Lehrer sowie die Fahrtkarten der Schülerinnen bearbeitet. Diese Aufgaben hat inzwischen das EGV übernommen. Frau Lehmann wurde in einer kleinen Feierstunde von der Kloster- und Schulgemeinschaft mit Dank und besten Wünschen verabschiedet.

Vor 27 Jahren trat Herr Josef Meier die Nachfolge von Herrn Kuhlenkamp als Hausmeister an. Nach dieser langen Zeit kennt er jeden Winkel in den Schulgebäuden und im Kloster. Als gelernter Elektriker und sachkompetenter Handwerker konnte er in allen Problemlagen mit Rat und Tat zu Hilfe kommen. Deshalb wurde mit ihm nicht nur ein Hausmeister von St. Michael verabschiedet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein "Meister des Hauses". Dank und gute Wünsche der Kollegien, der Schulleitungen und des Konventes wurden ihm in einer Feierstunde ausgesprochen.
Einige Wochen später kam Herr Meier noch einmal mit seiner Frau zu einem gemütlichen Abschiedskaffee im Konvent.

Im Mai hat Herr Martin Füller die Nachfolge von Herrn Meier als Hausmeister angetreten. Wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.

Am Ende des Schuljahres (29.06.2009) ist Frau Maria Wurm, stellvertretende Leiterin unseres Gymnasiums, nach 36 Dienstjahren in einer großen Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet worden. Als qualifizierte Lehrerin für Mathematik und Physik, als profilierte und geistreiche Persönlichkeit, der Zuverlässigkeit, Korrektheit und Beständigkeit stets wichtig gewesen sind, und als verständnisvolle Ansprechpartnerin für alle Anliegen im schulorganisatorischen Bereich ist Maria Wurm allseits geschätzt worden. Die Nachfolge im Amt hat Frau Elisabeth Cremer, Mitglied des Kollegiums seit 1982, übernommen.

Unsere Mieter

Drei Mieter haben im Frühjahr ihre Appartements in der 3. Etage des Klosters bezogen: Kristina Pletziger, Studentin an der Uni Paderborn, Prof. Dr. Andrea Walther, Lehrstuhl für Mathematik und ihre Anwendungen an der Uni Paderborn, P. Dr. Bruno Hannöver, Zisterzienser aus dem Kloster Bochum-Stiepel. Außerdem wohnt während des Sommersemesters Michaela Markert, Doktorandin, im sog. "Paderbau". Bei einem gemeinsamen Abendessen machten wir uns gegenseitig mit unseren neuen Hausbewohnern bekannt. Die drei Zimmer im Kloster waren eigentlich für unsere zuletzt verstorbenen Schwestern vorgesehen: Sr. Remigia, Sr. Leonie, die leider den Einzug nicht mehr erlebt haben, und Sr. Regina.
So war dieses Jahr reich an äußeren und inneren Veränderungen.
Unser aufrichtiger Dank gilt allen, die uns in so vielfacher Weise unterstützt haben und deren Hilfe wir erfahren dürfen. Ihnen allen gilt unser fürbittendes Gebet.

Sr. M. Theresia Brammen