Michaelskloster Paderborn


Carne levare!

Gedanken zur Österlichen Bußzeit

Nach den Tagen des Karnevals folgt nun wörtlich das carne levare, das "Fleisch wegnehmen", sich erleichtern und aufrichten. Heute, in einer Zeit, in der es zu einem mitunter billigen Massenprodukt geworden ist, kann "Fleisch" für vieles stehen, dessen man sich während der kommenden vierzig Tage der Fastenzeit entledigen kann. Zu den geläufigsten Vorhaben gehört der Vorsatz, weniger zu essen, was für manche und manchem von uns vielleicht tatsächlich an der Zeit ist. Die österliche Bußzeit, wie die Fastenzeit korrekt heißt, ist aber mehr als eine Fastenkur - dennoch ist sie eine Kur. Das deutsche Wort leitet sich vom lateinischen cura ab: Heilung, (Für-)Sorge, etwas mit Sorgfalt tun. Für die kommenden Wochen bis Ostern können wir uns vornehmen, überflüssiges Verhalten zu lassen und dafür anderem mit größerer Aufmerksamkeit nachzugehen. Ein beliebtes biblisches Bild für die Fastenzeit ist die Wüste. Wenn wir z. B. den Terminkalender und Medienkonsum, nicht förderliche Gedanken und Taten reduzieren, specken wir äußerlich wie innerlich ab. Wir richten unseren Blick nach innen und entdecken die guten und schönen Dimensionen des Menschseins, wir schmecken unsere klaren Quellen und erleben inneren Frieden und die Freiheit, sich mal bewusst anders verhalten zu können als üblich.

Die einfache Frage "was ist mir wichtig?" kann uns während dieser Zeit anregen, unsere innere Haltung zu justieren und unser Augenmerk auf das Wesentliche und Bleibende zu richten. Bis zum Karfreitag können wir so manche Gewohnheit dem "Grab" überlassen, damit Auferstehung möglich wird - die Leichtigkeit, auf Gott hin zu leben, der ja unsere Quelle und unser Ziel ist. In unserer Taufe hat Gott uns zugesagt, dass er uns ganz und gar annimmt und uns liebt, mit allem, was zu uns gehört. Mit dieser heilsamen Zusage im Gepäck können wir als österliche Menschen die Herausforderungen des täglichen Lebens annehmen und bestehen. In diesem Sinne: Kopf hoch und ein frohes carne levare!

Sr. Laetitia Eberle

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